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Juli 2023 | Schwerpunkt Nachhaltigkeit

Die Zukunft ist vollplanetarisch

In den letzten 15 Jahren ging es bei vielen Food-Retailern darum, nachhaltige Sortimente erfolgreich zu machen. Neben der zunehmenden Attraktivität sich als Handelsunternehmen auf Corporate-Ebene zu positionieren ging es schlicht und einfach um Umsatz: Kund:innen mit Nachhaltigkeitsaffinität verfügen in der Regel über höhere Haushaltsbudgets und sorgen für höhere Bons. Meist erfolgte die Umsetzung in Form von sog. Nachhaltigkeitseigenmarken. Die letzten drei Jahre, die Jahre multipler Krisen, haben an der ein oder anderen Stelle den Blick auf das Thema Nachhaltigkeit etwas getrübt. Andere Themen schienen Oberhand zu gewinnen. Doch Achtung: Wir bewegen uns mit großen Schritten auf eine Dekade im Zeichen von „Planetary Health“ zu. Ich wage hier die These, dass sich künftig Nachhaltigkeit als „Hygienefaktor“ durch alle Sortimente ziehen wird. Die Zukunft also vollplanetarisch ist.

Planetary was?

Der Begriff der sog. planetaren, ökologischen Belastungsgrenzen wurde bereits 2009 vom schwedischen Wissenschaftler Johan Rockström definiert. Vereinfacht gesagt, geht es um Leitplanken des Planeten innerhalb derer die Lebensgrundlagen für den Menschen gewahrt bleiben. Dazu gehört natürlich das Thema „Klimawandel“ aber auch Themen wie „Biodiversitätsverluste“ und „Süßwasserverbrauch“. Insgesamt sind es aktuell 9 Themenfelder. Auf dieser Grundlage entwickelte eine weitere internationale Wissenschaftler:innen-Gruppe, die EAT-Lancet-Kommission, die sog. Planetary Health Diet. Hintergrund ist der hohe, negative Impact, den unser heutiges Ernährungssystem auf die Planetaren Grenzen hat. So werden Lebensmittel für 30% der weltweiten Treibhausgase und für 70% der weltweiten Biodiversitätsverluste verantwortlich gemacht.

Wollt ihr Teil des Problems oder Teil der Lösung sein?

Das Planetary Health Narrativ kommt mit Wucht auf die Food-Branche zu. Nationale Ernährungsstrategien der Politik werden entwickelt, Studie um Studie produziert, welche die Notwendigkeiten und die Auswirkungen einer Planetary Health Diet aufzeigen. Es ist wie so oft im Wirtschaftsleben: Man kann Teil des Problems, oder eben Teil der Lösung sein. Die empfohlenen Handlungsfelder sind ebenso einfach auf den ersten, wie komplex auf den zweiten Blick: Deutliche Reduktion tierischer Produkte, Halbierung Food-Waste und die Ökologisierung (und gleichzeitige Intensivierung) der Landwirtschaft.

Ein Millardenmarkt entsteht

Die Menschen sind sehr träge, wenn es um die Veränderungen ihrer Essgewohnheiten geht. Deshalb entwickelt sich ein hoch attraktiver Markt für sog. Ersatzprodukte. Allein in Deutschland besteht theoretisch ein Transformationspotential von ca. 40 Mrd. Euro. Der Markt steckt aktuell noch in den Kinderschuhen. Zugelassen sind aktuell lediglich sog. Plant-based-Alternativen. In der Pipeline sind zahlreiche Bioreaktor-basierte Konzepte, die auf Zellvermehrung oder Präzisionsfermentation beruhen. Diese Konzepte haben den großen Vorteil, das sie geschmacklich und von der Textur weitgehend identisch mit den klassischen tierischen Produkten sind. Noch sind diese Produkte in der EU nicht zugelassen. Aber der Druck wächst und es ist bereits sehr viel Entwicklungskapital in diese Konzepte geflossen.

Der Planet sitzt künftig mit am Tisch

Auch abgesehen von den neuen, sog. alternativen Proteinen, werden alle Warengruppen im Food-Segment auf den Prüfstand kommen. Die intensive Betrachtung der Warengruppen im Bezug auf Planetare Grenzen wird sich durch das gesamte Sortiment ziehen. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Denn diese Grenzen, sind schlicht und einfach die Grundlage unserer Existenz. Zum Teil ergeben sich überraschende Erkenntnisse: So muss Rindfleisch aus intensiver Stallhaltung mit einem sehr hohen Anteil an Kraftfutter (inkl. Mais) als sehr schädlich für die Planetaren Grenzen betrachtet werden. Rindfleisch aus extensiver Produktion mit nahezu 100% Grasfütterung, dürfte weitgehend Klimaneutral sein und daneben einen erheblichen, positiven Beitrag zur Biodiversität leisten. Denn Weiden sind Biodiversitätshotspots. Grünland macht 20% der Landesfläche aus und beheimatet mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Grünland zählt zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.

Diet – Autsch. Lifestyle!

Der Begriff Planetary Health Diet ist durch das Wort DIET schwierig für die Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Machen wir gemeinsam daraus einen „Planetary Health Lifestyle“ Es geht nicht mehr um Teile des Sortiments, sondern es geht um alles, um das gesamte Angebot. Wer weiter nur Teil des Problems sein möchte, wird Umsatzanteile verlieren. Wer Teil der Lösung sein möchte, kann auf zusätzliche Umsätze und Transformationsgewinne hoffen. Mit dem Food Campus Berlin, schaffen wir einen Transformationsbeschleuniger, für alle die Lust haben, Teil der Lösung zu sein. Und jetzt Sie? Sind Sie Teil der Lösung oder des Problems? Schreiben Sie uns – es interessiert uns wirklich! post@the-retail-academy.com
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Jörg Reuter hat mit Anfang 20, Schafe in den Pyrenäen gemolken und Bio-Gemüse angebaut. Ein einschneidendes Erlebnis mit Möhren brachte ihn dazu Spaten gegen Laptop zu tauschen und Strategieberater für Foodunternehmen zu werden. Zu seinen Kunden gehörten in den letzten 20 Jahren große Handelsunternehmen wie REWE, Coop Schweiz und Transgourmet, ebenso wie internationale Markenhersteller und Bio-Produzenten. Seit Anfang 2021 ist er Geschäftsführer der Artprojekt Nature & Nutrition und konzipiert dort den Food Campus Berlin und entwickelt aus der ältesten Fischerei Brandenburgs ein modernes Natur-Erlebnis-Gut inkl. Farm to-table-Restaurant. Jörg Reuter brennt für gute Lebensmittel und betreibt seit 2013 außerdem das Feinkostgeschäft „Vom Einfachen das Gute“ in Berlin Mitte.

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Nehmen wir mal das Thema Mitarbeiter, oh sorry, Mitarbeitende, ich war doch gerade wieder einen Moment im Früher.
Man hatte als Arbeitgeber die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Bewerbungen auszuwählen, man konnte in gewissem Rahmen Ansprüche stellen und sogar über wesentliche Punkte der künftigen Zusammenarbeit verhandeln. Aus heutiger Arbeitgebersicht das reinste Schlaraffenland.
Aber, es gibt wie immer im Leben zwei Seiten. Wer sich vor etwa 30 Jahren selbst beworben hat musste Gas geben, auch mit gutem Ausbildungsabschluss und klarem Fokus auf das was man beruflich erreichen möchte, waren die Hürden hoch den Traumjob zu ergattern. Eine Vielzahl von Konkurrenten machte einem das Leben schwer, oft wurden Kompromisse eingegangen, um beruflich erst einmal Fuß zu fassen. Das war einmal.

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