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07. Juni 2022 | Schwerpunkt The Big Quit

Es geht nicht mehr um Geld!

Es ist mehr als ein Gefühl: Immer mehr Menschen kündigen derzeit ihren Job. Liegt das Papier noch nicht beim Chef, suchen viele Angestellte gedanklich nach Veränderung. Seit Monaten vibriert es in den Personalbüros. „The Big Quit“ nennt sich das Phänomen, das sich während Corona in den USA zum ernsten Trend entwickelt hat. Allein im Frühling 2021 haben dort mehr als elf Millionen Bürger ihren Job aufgegeben. Die Pandemie hat die Kündigungsraten auch in Deutschland in die Höhe schnellen lassen. Der Gallup Engagement Index schlägt Alarm: Erstmals ist die Wechselbereitschaft hierzulande höher als in den USA.

Diese Entwicklung verschärft ein zweites, längst bekanntes Problem: der wachsende Fachkräftemangel. Zahlreiche Studien belegen, dass es deutschen Unternehmen an Experten mangelt. Laut Bundesagentur für Arbeit fehlen 1,2 Millionen Arbeitskräfte. Die heikle Lage fordert auch den Einzelhandel. Die Pandemie hat die schwierige Situation laut EHI Retail Institute noch verschärft. Geeignetes Personal fehlt an allen Ecken und Enden: in der Verwaltung, in den Stores, in der Logistik. Besonders die Filialen spüren die Engpässe.

Warum kündigen Menschen trotz Krise ihren Job?

Die Ursachen für das Defizit sind vielfältig. Viele erklären sich fehlende Bewerbungen durch ein negatives Image der Branche. Lässt sich so auch die hohe Abwanderung eingesessener Kräfte erklären? Warum kündigen so viele Menschen trotz Krise freiwillig ihren Job? Wieso kehren sie ihrem Arbeitgeber gerade jetzt den Rücken? Man könnte vermuten, es ginge um bessere Bezüge oder eine höhere Absicherung. Dass Unzufriedene mehr Gehalt oder stabilere Verträge suchen. Natürlich spielt die Vergütung immer eine Rolle, um Menschen zum Bleiben oder Gehen anzuregen. In der Masse lässt sich das Problem jedoch nicht auf dieser formalen Ebene lösen.

Beförderungen, Incentives und Co. reichen kaum, um Fachkräfte zu finden und zu halten. Die Ursachen der großen Flucht liegen woanders. Dank unserer langjährigen, weltweiten Erfahrung durch Coaching und Trainings im Bereich Leadership und Sales können wir den Kern benennen, warum Menschen keine Lust mehr haben, sich in einem Unternehmen zu engagieren: Häufig wächst Unzufriedenheit durch eine schlechte Stimmung im Team und das Gefühl, bei der Arbeit nicht geschätzt zu werden. Die meisten suchen eine moderne Arbeitsplatzkultur. Sie wünschen sich authentischen Teamgeist sowie echte Empathie und Beteiligung aus der Chefetage. Dazu kommt der Wunsch nach mehr Flexibilität und Selbstverwirklichung. All das belegen auch unsere zahlreichen internationalen Studien mit tausenden Befragten.

Große Worte und Wünsche, die jedoch auf ganz konkreten Erfahrungen der letzten Jahre basieren: Homeoffice, Lockdown, persönliche Ängste, Familienzeit und Selbstreflexion. „The Big Quit“ zeigt, dass Covid-19 nicht nur eine Gesundheits-, sondern auch eine Sinnkrise ausgelöst hat. Jüngere wie ältere Generationen fragen sich zunehmend, ob täglich acht, neun, zehn Stunden oder fünf, sechs Tage die Woche hinter Kasse, Bildschirm oder Tresen wirklich dem eigenen Lebensentwurf entsprechen. Kurzarbeit, Unsicherheit, Befindlichkeiten und Zeitgeschehen haben die Menschen geprägt. Geht Arbeit nicht auch anders? Warum tue ich mir das an?

Gerade für Deskless Workers, auf der Verkaufsfläche, im Lager, im Hotel, Gastraum oder in der Bäckerei, hat sich der Druck vervielfacht: Höhere Belastungen und gestresste Kunden zerren am Nervenkostüm. Doch nicht nur Krisen wie Pandemie, Kriegsgeschehen oder Umweltbedrohungen machen den Arbeitsalltag zur Herausforderung. Auch der Fortschritt der weltweiten Megatrends wie Digitalisierung, Globalisierung oder New Work bringen Jung und Alt ins Grübeln. Mehr und mehr verschieben sich die Prioritäten im Job auf Sinn und Erfüllung. Was also tun?

Top Four der positiven Gefühle

Wer sich als Unternehmen vor dem Problem wegduckt, seine Leistungsträger ziehen lässt und auf die Strategie Hoffnung setzt, sitzt irgendwann in verwaisten Räumen. Fehlt die Manpower, geraten Produktionsprozesse ins Stocken, Lieferungen verspäten sich, Regale bleiben leer, Betriebe sind gezwungen, Öffnungszeiten zu kürzen, Ruhetage einzuführen, Service zu streichen. Angebote verlieren ihre Attraktivität und auch gestandene Marken geraten so ins Schwanken.

Was können, nein müssen Unternehmen jetzt tun? Die Antwort betonen wir bei Dale Carnegie schon lange: Wer Fachkräfte binden will, muss ihnen mehr geben, was sie sich wünschen. Der Schlüssel liegt in der konsequenten Optimierung der Employee Experience. Auch hierzu hat Dale Carnegie & Associates geforscht, um positive Emotionen und Engagement am Arbeitsplatz zu untersuchen. Eine Studie mit fast 3.300 Befragten aus zehn Ländern ergab, dass es vier Gefühle sind, die Menschen im Job beflügeln: Wertschätzung, Selbstsicherheit, Verbundenheit und Empowerment.

Wertschätzung erleben Personen, wenn Chef:innen Leistung anerkennen, würdigen und belohnen – und zwar so, dass Betroffene das Lob auch annehmen können. Selbstsicher fühlen Menschen sich, wenn sie überzeugt sind, dass sie Erfolg haben können und die Führungsetage hinter ihnen steht. Verbundenheit entsteht durch intakte Beziehungen unter Kolleg:innen. Stimmt das Netzwerk, übt es größten Einfluss auf die emotionale Bindung an das Unternehmen aus. Ein Gefühl von Mitbestimmung und Autonomie wächst, wenn jeder im Team erkennt, dass er seinen Teil zum großen Ganzen beiträgt. Das gelingt, wenn Vertrauenspersonen Gehör schenken und zu selbstständigem und flexiblem Handeln ermutigen.

Wer Fachkräfte begeistern will, hat keine Wahl: Er muss diese vier Kerngefühle zu täglichen Begleitern machen. Das fällt auch erfahrenen Manager:innen gelegentlich schwer. Gefühle bei anderen gezielt hervorzurufen, gelingt nicht immer intuitiv. Schulungen in diesem Bereich können hier unterstützen. Vor allem geht es aber um Aufmerksamkeit. Weitsichtige Chef:innen überlegen sich: Wie sorge ich zuverlässig dafür, dass mein Team sich wertgeschätzt, selbstsicher, verbunden und befähigt fühlt? Dafür braucht es klare Instrumente, die fest im Alltag als Führungskraft integriert sind.

Employee Experience als strategische Priorität

Der tägliche Blick auf die Employee Experience gehört ab sofort zur Chefaufgabe. Darunter fallen sämtliche Erfahrungen, die Personen im Unternehmen machen – vom Job-Interview bis zum Exit-Gespräch, über alle Elemente des Arbeitsplatzes hinweg: die Arbeit selbst, das Umfeld und die Menschen. Eine besondere Rolle spielt die direkte Führungskraft. So wie Kund:innen im Mittelpunkt der Customer Experience stehen, sollten Unternehmen die Gefühle der eigenen Leistungsträger bei sämtlichen Touch Points im Job kennen und würdigen. Natürlich lässt sich all das nicht über Nacht umsetzen. Erstmal geht es um das Bewusstsein. Sich als Unternehmen aktiv mit diesem Thema zu beschäftigen, legt den dringend nötigen Grundstein. Nur wer das Wecken positiver Gefühle als oberste Priorität lebt, kann verhindern, dass Topkräfte abwandern, weil sie sich wegen überholter Rahmenbedingungen oder fehlender Wertschätzung nicht mehr wohlfühlen.

Und jetzt Sie! Was tun Sie dafür, dass sich Ihre Mitarbeiter wohlfühlen?
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Unsere heutiger Kolumnist
Uwe Göthert

Geschäftsführer | Dale Carnegie Deutschland

Uwe Göthert ist seit 2004 Geschäftsführer von Dale Carnegie Deutschland. Im internationalen Führungszirkel von Dale Carnegie forciert der erfahrene Unternehmensentwickler disruptive Innovationen und zukunftsweisende Strategien. Göthert steuert komplexe Weiterbildungsprojekte von Marktführern unterschiedlicher Branchen, die sich in Anzahl der Teilnehmer, beteiligten Länder und angewandten Sprachen individuell skalieren lassen. Seine Arbeitsschwerpunkte decken sich mit den Themen, die Menschen in großen und mittelständischen Betrieben herausfordern. Als Berater für international tätige Unternehmen liegt sein Fokus auf Verkauf, Führung, Kommunikation, Präsentation sowie Innovations- und Changemanagement – mit dem Ziel, eine konsistente globale Firmenkultur zu etablieren und messbare, nachhaltige Ergebnisse zu produzieren. Seine Kunden bestätigen den gemeinsamen Erfolg.

Dale Carnegie Training (gegründet 1912 in New York) ist heute global führender Anbieter internationaler Sales- und Leadership-Trainings sowie skalierbarer Unternehmenslösungen. Aktuell sind rund 200 Dale Carnegie-Offices in 90 Ländern präsent und bieten ISO-zertifizierte Trainings in 30 Sprachen an. 2.800 zertifizierte Dale Carnegie-Trainer bieten weltweit einheitlich hohe Qualität in Präsenz-, Live-Online-Trainings und Blended Learning. Dale Carnegie Deutschland wurde 1953 gegründet. Unter CEO Uwe Göthert fokussiert Dale Carnegie Deutschland sich auf maßgeschneiderte Inhouse-Trainings für Hidden Champions und Weltmarktführer, die international agieren und standortübergreifend Wert auf hohe Standards legen. Dale Carnegie Deutschland ist auf Soft-Skill-Themen im Bereich Sales- und Leadership-Trainings spezialisiert. Zahlreiche Kurse zu Themen wie Präsentation und Kommunikation ergänzen das Angebot. www.carnegie.de

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Na, fühlen Sie sich ertappt. Kein Wunder, das geht wohl den meisten so und es gibt ja auch eine Menge wonach man sich zurücksehnen kann.
Nehmen wir mal das Thema Mitarbeiter, oh sorry, Mitarbeitende, ich war doch gerade wieder einen Moment im Früher.
Man hatte als Arbeitgeber die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Bewerbungen auszuwählen, man konnte in gewissem Rahmen Ansprüche stellen und sogar über wesentliche Punkte der künftigen Zusammenarbeit verhandeln. Aus heutiger Arbeitgebersicht das reinste Schlaraffenland.
Aber, es gibt wie immer im Leben zwei Seiten. Wer sich vor etwa 30 Jahren selbst beworben hat musste Gas geben, auch mit gutem Ausbildungsabschluss und klarem Fokus auf das was man beruflich erreichen möchte, waren die Hürden hoch den Traumjob zu ergattern. Eine Vielzahl von Konkurrenten machte einem das Leben schwer, oft wurden Kompromisse eingegangen, um beruflich erst einmal Fuß zu fassen. Das war einmal.

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Business Angel, Start-up Mentor, Management Coach, Beirat

Optimismus in herausfordernden Zeiten…

Ich will nichts mehr davon hören! Mag darüber nicht mehr reden! Von 2023. Diesem Totengräberjahr der guten Stimmung bei den Konsumenten und den diese versorgenden Händlern gleichermaßen. Da wollten wir doch alle nach
den so sonderbar hinter Masken versteckten Gesichtern der schon sehr speziellen Jahre 2020-2022 solide in 2023 durchstarten. Wollten speziell im Handel die wiederkehrenden Massen an Kunden in unseren Läden begrüßen,egal ob als digitale Shopper oder von manchen noch viel dringender erhofft als Kunden aus Fleisch und Blut in den zunehmend verwaisten Läden der
Innenstädte. Nach dem Lieferkettendebakel zuvor waren zumindest die Produkte allesamt wieder da, Social Media war in der Breite als neuer Kommunikationskanal zum Kunden hin entdeckt worden und mit staatlichen Geldern aus dem kollektiven Säckel wurden sogar die Vinylböden der nochmal-
gerade-eben-so geretteten Kaufhaus-Dinos gewienert. Dann kam 2023.
Bumm! Autsch. Bauchlandung!

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Rückblick 2023, Schwerpunkt NEU

Rückblick 2023

Silvia Talmon

Geschäftsführerin | The Retail Experience GmbH

Das Jahr ist vorbei. Fast. Die letzten Tage und Stunden im Handel ziehen sich dahin wie Kaugummi. Oder, um bei der Überschrift zu bleiben, sind so geschmackvoll wie schaler Champagner. Was bleibt, ist die Erinnerung an das Prickeln des ersten Schluckes. Verdrängt wird der abgestandene Beigeschmack. 2023… Das Jahr hat uns mit seiner Fülle an Herausforderungen und Wendepunkten gezeigt, dass wir nur selten das bekommen, was wir erwarten. Oder gar was wir erhoffen. Der Anfang war verheißungsvoll, er schmeckte nach Aufbruch, nach Veränderung, nach Hoffnung. Alles wird besser…
Und jetzt? Keiner weiß so recht, was sich mit dem Rest im Glas anfangen lässt. Wegkippen oder runterkippen? Und dann?

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Einzelhandel benötigt bedeutsame Erlebnisse | Schwerpunkt Strategie

Der Einzelhandel benötigt bedeutsame Erlebnisse

Robert Thiemann

Gründer und Herausgeber I Frame Magazin

Wir sehen es schon seit Jahren: Kultur als Aktivator des
Einzelhandels. Kunstobjekte und interaktive Installationen sollen den Verkehr steigern und die Verweildauer verlängern. Und es schien zu funktionieren.Schien, denn die Traumehe zwischen Kunst
und Einzelhandel ist ernsthaft unter Druck geraten.Zum besseren Verständnis sollten wir an den Anfang zurückgehen.

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