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07. Februar 2023 | Selbstverwirklichung

Vom KÖNNEN zum WOLLEN

Alle Welt in Social Media spricht von beruflicher Selbstverwirklichung. Jeder will einen Job haben, den er wirklich liebt.
Dabei verlaufen viele Karrieren nach wie vor linear. Sie folgen dem KÖNNEN und die jeweils folgenden Positionen richten sich an Skills und Kompetenzen der vorherigen aus bzw. bauen auf diesen auf. Wir entwickeln uns analog unserem besten Können und erbringen damit den größten Nutzen. Eigentlich doch alles prima?
Einerseits. Andererseits, wenn ich an meine Abiturklasse zurückdenke, wussten die wenigsten, was sie beruflich machen WOLLEN, starteten wahlweise wirtschaftlich denkend, vom Umfeld beeinflusst oder diffus, und oft weitab der Selbstverwirklichung.

Lineare Karrieren

Auch meine über 2,5 Jahrzehnte folgende lineare Karriere in einem sehr erfolgreichen Retail-Unternehmen fühlte sich für mich sehr lange sehr richtig an. Immer wieder stieß ich auf spannende, großartige und internationale Entwicklungs-Opportunitäten entlang meiner besten Kompetenzen.
Dennoch blinkte meine innere Leuchtschrift immer öfter und heller auf: Will ich noch mehr von dem, was ich kann? Aber wenn ich das nicht mehr will, was will ich dann? Was ist mein WOLLEN? Was ist es, was mich glücklich macht, welche Tätigkeiten laden meine Energie auf?
Und so treffe ich im Umfeld der beruflichen Neuorientierung immer wieder auf Menschen, die ähnlich denken, die sich neu orientieren wollen, neue Pfade gehen wollen, herausfinden wollen, was ihnen wirklich Spaß macht.

Vom WOLLEN

Sein WOLLEN herauszufinden, passiert nicht über Nacht. Es ist selten ein Aha-Moment, viel mehr ist es ein langer Prozess. Ein Prozess, in dem es zunächst mal um Passionen (und nicht um die besten Kompetenzen!) geht. Welche Aufgaben, Bereiche, Kompetenzen machen mir Spaß, was lässt mich morgens gerne aufstehen? Was sind meine Träume, was würde ich machen, wenn Geld und äußere Umstände keine Rolle spielen würden?
Moment mal! Ich höre schon die Zweifler… Als ob es so einfach wäre. Luxusprobleme. Das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert, wahlweise kein Ponyhof. Nicht jeder kann alles werden, was ist mit finanziellen Verpflichtungen usw.
Okay, zurück auf LOS. Hier geht es zunächst um ergebnisoffenes Brainstorming, Optionen sammeln – ja richtig, es geht um Wünschen und Träumen. Hier nähern wir uns mal nur dem WOLLEN.
Und in meinem Fall war es die Erkenntnis, dass meine Passion Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, immer der Antreiber in all meinen Tätigkeiten war.

Vom WISSEN

Dann geht es ans Wissen sammeln. Welche Jobs, in welchen Branchen gibt es, die meiner Passion nahekommen? Was braucht es dafür? Welche Aus- und Weiterbildungs-Möglichkeiten gibt es? Was bietet der Markt? Was will der Markt? Wie entwickeln sich Job und Branchen, heute, morgen aber auch im langfristigen Horizont?
Das ist simple Recherche, und im Idealfall am lebenden Objekt. Wen kenne ich, der jemanden kennt, der sich damit auskennt? Wen kann ich fragen, damit ich mehr erfahre? Netzwerken, Fragen stellen, weiter fragen, Informationen sammeln.
Die meisten Dinge erscheinen diffus, weil wir gedanklich noch zu weit weg sind. Ganz so wie die Bergspitze im Nebel liegen mag, kommen wir näher, wird sie immer deutlich für uns. Ich habe viele Gespräche geführt, Webinare besucht, Fragen gestellt, Stunden mit Recherche verbracht und immer wieder gingen Türen auf, die ich vorher noch gar nicht sehen konnte.

Vom RAHMEN

Dann den Rahmen setzen – finanziell, familiär, sozial. Ein Prozess, in dem es um das Ausloten der eigenen Sicherheitsgrenzen geht (und oft auch der anderen- siehe unten). Zu was kann oder will ich „nein“ sagen? Und zu was sage ich „ja“? Was ließe sich darstellen, was nicht?
Aus der Resilienzforschung für Unternehmen wissen wir, dass Unternehmen, die sich gegen alle Unwägbarkeiten doppelt und dreifach wappnen wollen, aufgrund der Redundanzen irgendwann drohen unterzugehen. Und das trifft auch für das Individuum zu.
Es geht also nicht vordergründig um Mut (Definition in Wikipedia: …bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich beispielsweise in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben.) sondern um wohlkalkulierte Risiken. Finanzielle Planung, kurz- mittel und langfristig. Und immer wieder – zu was kann oder will ich „nein“ sagen? Und zu was sage ich „ja“?
Vielleicht gibt es ja auch eine Zwischenlösung, eine mittelfristige Veränderung, die zunächst machbar ist. In einem mehrspurigen Kreisverkehr inmitten von Rom würden wir auch nicht von der innersten Spur direkt die nächste Ausfahrt ansteuern, sondern uns Spur für Spur dem Ziel nähern. Vielleicht ist es zunächst eine Pensen-Reduktion, eine nebenberufliche Weiterbildung, ein Ehrenamt?

Vom UMFELD

WOW (umgangssprachlich: Ausdruck des Erstaunens, Wikipedia). Wow, ich wünschte, ich könnte das auch; Wow, wie mutig; Wow, cool, dass du das gemacht hast/machen willst.
Das ist das eine mögliche Spektrum der Reaktionen. Es kommt oft in Hand in Hand mit den jeweiligen Träumen des Gesprächspartners: «Ich wollte auch immer…», «Ich würde gerne…».
Meine bevorzugte Frage im Bekanntenkreis lautet daher nicht von ungefähr: «Wenn du nochmal neu beruflich starten würdest, was würdest du dann tun?». Ein schier unerschöpflicher Quell an Inspirationen und Überraschungen. Überraschungen auch, weil nicht jeder etwas anderes machen wollen würde. Und auch das ist gut so.

Das andere Reaktions-Spektrum auf eine angedachte berufliche Neuorientierung ist distanzierter. Man erfährt etwas über das Sicherheitsbedürfnis des Gegenübers, des Umfelds. Familie, Freunde machen sich Sorgen: «Willst du wirklich eine sichere Position aufgeben?», «Was, wenn es nicht funktioniert?», «Bist du dir sicher?», «Wie soll das funktionieren?», «Bist du dir sicher, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt ist?».
Am besten die Ideen also nicht teilen? Ich möchte mich hier einer juristischen Antwort bedienen: Es kommt darauf an. Auf die eigene Überzeugung einerseits und auf die Offenheit für möglicherweise guten Input andererseits.
Wie immer im Leben hilft Erwartungsmanagement. Entweder: Ich erzähle dir meine Idee und möchte keine Ratschläge, nur wohlmeinende Unterstützung. Oder: Input warmly welcome. Denn hier versteckt sich ein durchaus sinnvoller Reality Check, der (im Idealfall wohlwollend) die eigenen Ideen wieder und wieder auf den Prüfstand stellt. Nutzen wir die wertvolle Intelligenz der Masse und zeigen die nötige Abgrenzung gegenüber den Ewig-Zweifelnden.

Ihr WOLLEN

Sich-neu-beruflich-finden ist kein notwendiger Mainstream. Alles kann, nichts muss. Wenn Sie aber ein inneres Ziehen verspüren, eine Art diffuser oder deutlicher Unzufriedenheit und ihre Passionen sich immer wieder zeigen – aber eben überhaupt nicht im beruflichen Umfeld, dann können Sie es weiter anschauen oder eben nicht. Denn das ist das Schöne: Sie haben die Wahl.

Und jetzt Sie? Wann wollten Sie das letzte Mal neue Wege einschlagen? Und haben Sie es auch gemacht?
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Beate-Christin Hastedt

Gründerin | Coaching Fabrik & ZwanzigEff

Beate-Christin Hastedt ist Expertin für ein gutes Leben und richtige Entscheidungen, privat wie beruflich. Sie arbeitet mit Individuen, Unternehmen und Hochschulen zusammen an Themen wie berufliche Neuorientierung, Leadership, Resilienz, Organisationsentwicklung und Konfliktbearbeitung. Pferdegestütztes Coaching (Teamprozesse, Kommunikation) bietet sie in Kooperation mit dem Hofgut Eich in der Nähe von Frankfurt am Main an. Für von Rundstedt Schweiz ist sie u.a. im Bereich Laufbahncoaching und Employability tätig. In ihrer linearen Karriere war sie 27 Jahre für IKEA Deutschland und IKEA Schweiz tätig, als Managerin und Führungskraft, u.a. auf Geschäftsleitungsebene und als Projektleitung für den Pilot New World of Work.

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Denken Sie auch manchmal… …früher war vieles besser!
Na, fühlen Sie sich ertappt. Kein Wunder, das geht wohl den meisten so und es gibt ja auch eine Menge wonach man sich zurücksehnen kann.
Nehmen wir mal das Thema Mitarbeiter, oh sorry, Mitarbeitende, ich war doch gerade wieder einen Moment im Früher.
Man hatte als Arbeitgeber die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Bewerbungen auszuwählen, man konnte in gewissem Rahmen Ansprüche stellen und sogar über wesentliche Punkte der künftigen Zusammenarbeit verhandeln. Aus heutiger Arbeitgebersicht das reinste Schlaraffenland.
Aber, es gibt wie immer im Leben zwei Seiten. Wer sich vor etwa 30 Jahren selbst beworben hat musste Gas geben, auch mit gutem Ausbildungsabschluss und klarem Fokus auf das was man beruflich erreichen möchte, waren die Hürden hoch den Traumjob zu ergattern. Eine Vielzahl von Konkurrenten machte einem das Leben schwer, oft wurden Kompromisse eingegangen, um beruflich erst einmal Fuß zu fassen. Das war einmal.

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