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24. Mai 2022 | Schwerpunkt Schwedische Nachhaltigkeit

Ist die kaputt?!

Vor einigen Jahren probierte ich in einem unserer Einrichtungshäuser eine Mischbatterie für ein Badezimmer aus, die das Label „NEU“ trug. Aber diese Mischbatterie war offensichtlich kaputt! Ich rief einen Kollegen, der auf meine Frage mit einem mitleidigen Lächeln antwortete: Diese neue Mischbatterie hatte eine „Kaltstartfunktion“, will heißen: sie verhindert die Verschwendung von Warmwasser und spart Energie. Wenn man den Hebel in mittlerer Stellung gerade nach oben zieht, läuft nur kaltes Wasser. Nur wenn man den Hebel aktiv nach links bewegt, fließt Warmwasser. Die Mischbatterie war also nicht kaputt, sondern ganz im Gegenteil: Sie wurde mit einem einfachen Kniff noch besser – energiesparend – gemacht! Oft lohnt es sich eben, genauer hinzuschauen und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Schweden sind erfinderisch. Dinge zu hinterfragen, erfinderisch zu sein und Neues auszuprobieren – das macht uns aus bei IKEA. Wir waren schon immer gut darin, aus wenig möglichst viel zu machen. Manche unserer Ideen erscheinen zunächst verrückt, waren später dann aber einfach genial. Möbel in flache Pakete zu verpacken, das löste damals ungläubiges Kopfschütteln aus, allerdings: Es sparte Platz beim kostenintensiven Transport und ermöglichte es unseren Kundinnen und Kunden, die Möbel direkt mit nach Hause zu nehmen. Schweden sind nachhaltig. Seit Jahren überlegen wir, wie wir unsere Lebensmittelabfälle reduzieren können. Wir haben vieles ausprobiert – und nicht immer mit dem erwarteten Erfolg. Seitdem wir jedes einzelne Gramm (das schärft das Bewusstsein!) an Lebensmittelabfällen mit einer Kamera scannen und messen, haben wir viel darüber gelernt, warum diese Abfälle entstehen und wie wir sie vermeiden können. Bis Ende 2021 konnten wir dadurch die Menge unserer Lebensmittelabfälle gegenüber dem Jahr 2019 halbieren! Mit den knapper werdenden Ressourcen bei der immer noch wachsenden Weltbevölkerung und gleichzeitigem Klimawandel umzugehen, ist die größte Herausforderung der Menschheit, der wir uns stellen müssen. Aber wir haben eine gute Chance dieser zu begegnen! Bestimmt kennen Sie unsere berühmten Köttbullar. Diese gibt es jetzt auch in der pflanzenbasierten Variante – sie sind dem Original verdammt ähnlich, bringen es aber nur auf vier Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zu den herkömmlichen Fleischbällchen. Schweden sind open minded. Als schwedisches Unternehmen ist Gleichberechtigung ein wichtiges Thema für uns – und auch in der Nachhaltigkeitsstrategie verankert. Wir sind der festen Überzeugung, dass alle das Recht auf gleiche Chancen und faire Behandlung haben sollen. Und dies unabhängig von Geschlecht, Glauben, Bildung, Alter, sexueller Orientierung und Herkunft. Hier habe ich selbst eine ganz starke Erfahrung gemacht: Bei der Bundeswehr habe ich eine Gruppe geführt, die „nur“ aus Männern bestand – wie das eben damals so war. Und es war kein so richtig inspirierendes Erlebnis – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen. In meinem ersten Einzelhandelsgeschäft, das ich leiten durfte – vor meiner Zeit bei IKEA – habe ich mit 20 Frauen zusammengearbeitet. Manchmal auch echt speziell! (Und auch hier möchte ich natürlich niemandem zu nahetreten). Heute arbeite ich bei IKEA schon seit langen Jahren mit gemischten Teams. Dass diese erfolgreicher arbeiten, ist in den Unternehmen und in der Gesellschaft angekommen…und das ist auch gut so! Schweden sind innovativ. Wir brauchen Ambitionen aus Wirtschaft und Politik und dazu müssen wir zuerst bei uns selbst anfangen. Hier bei IKEA haben wir die Latte hochgehängt: Bis 2025 möchten wir alle „Last Mile Lieferungen“ mit E-Transportern an die Frau und den Mann bringen. Bis 2030 wollen wir klimaneutral als gesamtes Unternehmen mit allen Teilbereichen aufgestellt sein. E-Ladesäulen (mit Öko-Strom betrieben) auf allen IKEA Parkplätzen sind heute Standard. Wir produzieren auch heute schon mehr grünen Strom aus Windkraft und Photovoltaikanlagen als wir in allen unseren Einrichtungshäusern, Lagern und Büros verbrauchen. Wir tun unser Bestes und doch brauchen wir – wie viele andere Unternehmen auch – hier die richtige politische Weichenstellung, damit der Ausstieg aus fossiler Energie rundum gelingen kann. Lieferketten müssen genau betrachtet werden. Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird uns nur gelingen, wenn wir auch die entsprechende „Hardware“ haben – wie zum Beispiel kleine wendige E-Trucks. Sie sehen also, in ganz vielen Bereichen sind wir stetig dabei, uns zu verbessern, um möglichst viele Menschen dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu leben! Wir haben uns auf den Weg gemacht und haben bis 2030 noch einiges zu tun. Wie viele andere auch – ob privat, als Unternehmen oder auch in der Politik. Es ist noch ein Stück zu gehen, aber wir werden zeigen, wie es geht, klimapositiv zu werden. Und das macht mich stolz! Und jetzt Sie! Ist Nachhaltigkeit für Sie noch Zukunftsmusik oder schon gelebte Realität? Schreiben Sie uns, es interessiert uns wirklich! post@the-retail-academy.com
Unsere heutiger Kolumnist
Michael Mette

Stellvertretender Geschäftsführer | IKEA Deutschland GmbH & Co. KG

Michael Mette wurde am 29.09.1961 geboren. Nach dem Abitur folgten zwei Jahre Bundeswehr. Anschließend absolvierte er vier Jahre lang eine Ausbildung bei der F.W. Woolworth GmbH (Assistent der Geschäftsleitung) und war anschließend zwei Jahre Geschäftsleiter bei der F.W. Woolworth GmbH in Solingen.
1989 erfolgte dann sein Einstieg bei IKEA. Dort war er von 1990 – 2002 Einrichtungshauschef in Bous/Saarlouis, danach zuständig für die Hauseröffnung in Bielefeld und Einrichtungshauschef in Hamburg-Schnelsen, bis es ihn schließlich wieder nach Bielefeld verschlug. Von 2002 bis 2007 war er Customer Relations Manager der Ikea Gruppe mit Sitz in Helsingborg, Schweden.
Seit 2007 ist er stellvertretender Geschäftsführer IKEA Deutschland GmbH & Co. KG in Hofheim-Wallau und als „Area Manager“ verantwortlich für die norddeutschen IKEA Einrichtungshäuser.

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Bitte mehr Big Picture Denken! – Oder: Eine Liebeserklärung an die die gute Zukunft

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Head of Food Campus Berlin

Wir stecken in einem zunehmenden Dilemma zwischen planetarer Veränderungs-Dringlichkeit und gesellschaftlichem Transformations-Burnout. Die multiplen Krisen setzen uns zu, die Weltordnung ist zunehmend fragmentiert. Die Zukunft erscheint vielen unsicher und düster.

In dieser gesellschaftlich misslichen Lage neigen wir leider auch dazu, jede Transformation zu zerreden und dass verrückterweise sowohl von denen, die die Transformation treiben wollen, also auch von denen die die Transformation stoppen wollen.

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Denken Sie auch manchmal… …früher war vieles besser!
Na, fühlen Sie sich ertappt. Kein Wunder, das geht wohl den meisten so und es gibt ja auch eine Menge wonach man sich zurücksehnen kann.
Nehmen wir mal das Thema Mitarbeiter, oh sorry, Mitarbeitende, ich war doch gerade wieder einen Moment im Früher.
Man hatte als Arbeitgeber die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Bewerbungen auszuwählen, man konnte in gewissem Rahmen Ansprüche stellen und sogar über wesentliche Punkte der künftigen Zusammenarbeit verhandeln. Aus heutiger Arbeitgebersicht das reinste Schlaraffenland.
Aber, es gibt wie immer im Leben zwei Seiten. Wer sich vor etwa 30 Jahren selbst beworben hat musste Gas geben, auch mit gutem Ausbildungsabschluss und klarem Fokus auf das was man beruflich erreichen möchte, waren die Hürden hoch den Traumjob zu ergattern. Eine Vielzahl von Konkurrenten machte einem das Leben schwer, oft wurden Kompromisse eingegangen, um beruflich erst einmal Fuß zu fassen. Das war einmal.

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Wir schließen! Räumungsverkauf! Alles muss raus!

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Christian Lindner

Business Angel, Start-up Mentor, Management Coach, Beirat

Optimismus in herausfordernden Zeiten…

Ich will nichts mehr davon hören! Mag darüber nicht mehr reden! Von 2023. Diesem Totengräberjahr der guten Stimmung bei den Konsumenten und den diese versorgenden Händlern gleichermaßen. Da wollten wir doch alle nach
den so sonderbar hinter Masken versteckten Gesichtern der schon sehr speziellen Jahre 2020-2022 solide in 2023 durchstarten. Wollten speziell im Handel die wiederkehrenden Massen an Kunden in unseren Läden begrüßen,egal ob als digitale Shopper oder von manchen noch viel dringender erhofft als Kunden aus Fleisch und Blut in den zunehmend verwaisten Läden der
Innenstädte. Nach dem Lieferkettendebakel zuvor waren zumindest die Produkte allesamt wieder da, Social Media war in der Breite als neuer Kommunikationskanal zum Kunden hin entdeckt worden und mit staatlichen Geldern aus dem kollektiven Säckel wurden sogar die Vinylböden der nochmal-
gerade-eben-so geretteten Kaufhaus-Dinos gewienert. Dann kam 2023.
Bumm! Autsch. Bauchlandung!

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Rückblick 2023, Schwerpunkt NEU

Rückblick 2023

Silvia Talmon

Geschäftsführerin | The Retail Experience GmbH

Das Jahr ist vorbei. Fast. Die letzten Tage und Stunden im Handel ziehen sich dahin wie Kaugummi. Oder, um bei der Überschrift zu bleiben, sind so geschmackvoll wie schaler Champagner. Was bleibt, ist die Erinnerung an das Prickeln des ersten Schluckes. Verdrängt wird der abgestandene Beigeschmack. 2023… Das Jahr hat uns mit seiner Fülle an Herausforderungen und Wendepunkten gezeigt, dass wir nur selten das bekommen, was wir erwarten. Oder gar was wir erhoffen. Der Anfang war verheißungsvoll, er schmeckte nach Aufbruch, nach Veränderung, nach Hoffnung. Alles wird besser…
Und jetzt? Keiner weiß so recht, was sich mit dem Rest im Glas anfangen lässt. Wegkippen oder runterkippen? Und dann?

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Einzelhandel benötigt bedeutsame Erlebnisse | Schwerpunkt Strategie

Der Einzelhandel benötigt bedeutsame Erlebnisse

Robert Thiemann

Gründer und Herausgeber I Frame Magazin

Wir sehen es schon seit Jahren: Kultur als Aktivator des
Einzelhandels. Kunstobjekte und interaktive Installationen sollen den Verkehr steigern und die Verweildauer verlängern. Und es schien zu funktionieren.Schien, denn die Traumehe zwischen Kunst
und Einzelhandel ist ernsthaft unter Druck geraten.Zum besseren Verständnis sollten wir an den Anfang zurückgehen.

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