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06. Januar 2022 | Schwerpunkt Zukunft

Retail Regnose – Der Blick zurück aus der Zukunft

Mit Jahresbeginn häufen sich die Anfragen an die Trend- und Zukunftsforschung: „Wie lautet Ihre Prognose für die nächsten Wochen und Monate?“ Und seien wir ehrlich: Für den Handel wimmelt es nur so von düsteren Prognosen. Die einen wollen hören, dass es immer noch schlimmer wird. Künftig kaufen wir nur noch im Internet, der Handel in den Innenstädten stirbt aus und keiner möchte mehr zum Einkaufen die eigenen vier Wände verlassen. Die anderen wünschen sich einen Hoffnungsschimmer am Ende des Tunnels: Bald werden die Menschen es wieder wertschätzen nach draußen zu gehen und es genießen, wieder unbeschwert zu feiern, zu reisen und natürlich zu shoppen. Doch beide Standpunkte zeigen, dass die aktuelle Situation von einer Hoffnungslosigkeit geprägt ist, die durch den Lärm unzähliger Medienkanäle gespeist wird, die davon leben, Erregungen zu produzieren. Häufig nutzt es wenig, mit Zahlen, Daten und besseren Modellen dagegen zu argumentieren. Prognosen, die eine differenzierte Zukunft voraussehen, werden selten wahrgenommen.

Der Lärm übertönt momentan alles. Und irgendwie fühlt sich Jammern auch immer gut an. Natürlich muss der Handel aktuell große Herausforderungen meistern – aber eben nicht nur der Handel, sondern auch zahlreiche andere Branchen. Wir sind aktuell sehr stark mit dem Hier und Jetzt, mit dem Meistern der Ist-Situation, der Gegenwart beschäftigt, sodass uns der differenzierte Weitblick fehlt. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes zukunftsblind, unser Kopf ist so sehr mit Reagieren beschäftigt, dass wir uns vom Strudel der aktuellen Krise, von all den Negativschlagzeilen, mitreißen lassen.

Aus diesem Grund haben wir im Zukunftsinstitut die Übung der Regnose entwickelt. Im Gegensatz zur Prognose schauen wir mit dieser Technik nicht in die Zukunft, sondern von der Zukunft aus zurück ins Heute. Sie stellt ein Gedankenexperiment dar: Mit der Regnose versetzen wir uns in eine wahrscheinliche Zukunft. Und von diesem Standpunkt in der Zukunft blicken wir zurück und überlegen uns, wie wir dorthin gelangt sind. Welche Schritte sind wir gegangen, welche Veränderungen haben stattgefunden? Plötzlich sehen wir ganz klar, welche Linien und Wege uns in die Zukunft geführt haben und welche in einer Sackgasse endeten. Wir denken von den Lösungen her, anstatt uns in den Problemen zu verlieren. Die Regnose öffnet unser Denken – denn wir haben ja bereits ein Ziel erreicht: Wir denken nicht mehr, wie könnten wir diesen Punkt vom Heute aus erreichen, sondern wir fragen uns, was hat sich geändert – was musste sich ändern, aber auch was konnte sich ändern.

Die nächste große Herausforderung, die uns bevorsteht, wenn wir die Gesundheitskrise gemeistert haben, ist die Klimakrise. Die EU will bis 2050 klimaneutral sein, ebenso die USA, Kanada und Japan. China und Russland wollen sich noch 10 Jahre mehr bis 2060 Zeit lassen, um die CO2-Neutralität zu erreichen. Im aktuellen Zukunftsreport 2022 beschäftigen wir uns mit einer Klima-Regnose aus dem Jahr 2050: Und diese zeigt, dass die postfossile Transformation möglich und wahrscheinlich ist.

Wie wäre es, wagen wir an dieser Stelle gemeinsam eine Retail Regnose! Blicken wir zurück, wie es dazu kommen konnte, dass die Innenstädte sich neu erfunden haben und dass der Einzelhandel ein wichtiger Attraktor für ein lebenswertes Miteinander ist. Wir erleben einen Handel, der dazu beigetragen hat, dass wir bewusst und klimaneutral konsumieren. Nachhaltigkeit und Gesundheit stehen im Mittelpunkt.

Circular Boom

Der Handel hat verstanden, dass Nachhaltigkeit ein Wirtschaftsfaktor ist. Produkte und Materialien im Kreislauf zu halten, ist eine Selbstverständlichkeit. Verpackungen – ein immenses Problem des wachsenden E-Commerce Anfang der 2020er Jahre – sind längst zu einem Investitionsgut geworden. Es ist gelungen, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, zunächst getrieben von der Idee einer freundlichen Ökonomie, um schlussendlich eine gesunde Ökonomie zu ermöglichen. Zero Waste Packaging und die Mehrfachnutzung von Produkten, das Wiederverkaufen und im Kreislauf halten, sind an der Tagesordnung. Waren mit einer Geschichte werden mit Stolz getragen und haben einen höheren Wert als Neuware, deren Materialien nicht recycelt wurde.

Zero Carbon Cities

In den Jahren nach der Pandemie hat sich ein Umdenken in den Städten dieser Welt durchgesetzt. Ein bereits lange in der Theorie geforderter Paradigmenwechsel von einer autofreundlichen zu einer menschenfreundlichen Stadt wurde Wirklichkeit. Weltweit wandelten sich die Strukturen hin zu 15-Minuten-Städten: Dort sind alle wichtigen Aktivitäten innerhalb von einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Lange Fahrt- und Pendelwege gehören der Vergangenheit an – alles, was man braucht, erhält man in der Nähe. Lieferungen erfolgen mit emissionsfreien Fahrzeugen zu Hubs oder auch an den Wunschort – nicht wie einst innerhalb weniger Minuten, vielmehr in effizient gesteuerten Zeitfenstern, denn alles, was dem täglichen Bedarf entspricht, lässt sich in der nahen Umgebung finden. Zügelloses Online-Shopping, inklusive des Ultra Fast Shoppings, das zu verstopften Straßen und Lieferchaos, aber vor allem auch zu wachsenden Müllmengen geführt hatte, ist eine peinliche Aktivität der 2010er und frühen 2020er Jahre. Wichtige Voraussetzung für diese Entwicklung war natürlich ein Wandel der Mobilitätsinfrastruktur hin zu Seamless Mobility, autonomem Fahren und Energy-by-drive-Technologien. Und vor allem auch der ländliche Raum konnte von diesem Mobilitätsinfrastrukturwandel profitieren und an Attraktivität gewinnen.

Natürlich erschaffen wir mit unserer Retail Regnose eine wünschenswerte Zukunft. Doch dieser Blick zurück aus der Zukunft lässt uns auch erkennen, welche positiven Entwicklungen es heute schon gibt – manche sind noch kleine Pflänzchen, die noch ihre ganz Kraft entfalten müssen. Andere wirken im Verborgenen, sind zwar nicht gut sichtbar, aber trotzdem wirkmächtig. Plötzlich denken wir nicht mehr in Problemen, sondern erkennen ein Puzzle an Lösungen, wie sich die einzelnen Teile zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen.

 

Welche Lösungen sehen Sie in Ihrem Bereich bereits heute? Und was halten Sie vom Gedankenspiel der Retail Regnose?

Schreiben Sie uns!

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Unsere heutige Kolumnistin
Janine Seitz

Geschäftsleitung | Zukunftsinstitut

Gelassenheit und ein scharfer Sinn für gegenwärtige Entwicklungen zeichnen die Kulturanthropologin aus, die bereits seit über zehn Jahren als Trend- und Zukunftsforscherin beim Zukunftsinstitut tätig ist und die Reihe der Branchen-Reports (u. a. Retail Report und Food Report) verantwortet. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Trends und Entwicklungen in den Bereichen Handel, Digitalisierung und Neo-Ökologie. Janine Seitz ist als Co-Autorin an zahlreichen Publikationen des Zukunftsinstituts beteiligt. Zuletzt erschien im Zukunftsinstitut der Zukunftsreport 2022, das Jahrbuch für gesellschaftliche Trends und Business-Innovationen.

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In dieser gesellschaftlich misslichen Lage neigen wir leider auch dazu, jede Transformation zu zerreden und dass verrückterweise sowohl von denen, die die Transformation treiben wollen, also auch von denen die die Transformation stoppen wollen.

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Na, fühlen Sie sich ertappt. Kein Wunder, das geht wohl den meisten so und es gibt ja auch eine Menge wonach man sich zurücksehnen kann.
Nehmen wir mal das Thema Mitarbeiter, oh sorry, Mitarbeitende, ich war doch gerade wieder einen Moment im Früher.
Man hatte als Arbeitgeber die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Bewerbungen auszuwählen, man konnte in gewissem Rahmen Ansprüche stellen und sogar über wesentliche Punkte der künftigen Zusammenarbeit verhandeln. Aus heutiger Arbeitgebersicht das reinste Schlaraffenland.
Aber, es gibt wie immer im Leben zwei Seiten. Wer sich vor etwa 30 Jahren selbst beworben hat musste Gas geben, auch mit gutem Ausbildungsabschluss und klarem Fokus auf das was man beruflich erreichen möchte, waren die Hürden hoch den Traumjob zu ergattern. Eine Vielzahl von Konkurrenten machte einem das Leben schwer, oft wurden Kompromisse eingegangen, um beruflich erst einmal Fuß zu fassen. Das war einmal.

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Business Angel, Start-up Mentor, Management Coach, Beirat

Optimismus in herausfordernden Zeiten…

Ich will nichts mehr davon hören! Mag darüber nicht mehr reden! Von 2023. Diesem Totengräberjahr der guten Stimmung bei den Konsumenten und den diese versorgenden Händlern gleichermaßen. Da wollten wir doch alle nach
den so sonderbar hinter Masken versteckten Gesichtern der schon sehr speziellen Jahre 2020-2022 solide in 2023 durchstarten. Wollten speziell im Handel die wiederkehrenden Massen an Kunden in unseren Läden begrüßen,egal ob als digitale Shopper oder von manchen noch viel dringender erhofft als Kunden aus Fleisch und Blut in den zunehmend verwaisten Läden der
Innenstädte. Nach dem Lieferkettendebakel zuvor waren zumindest die Produkte allesamt wieder da, Social Media war in der Breite als neuer Kommunikationskanal zum Kunden hin entdeckt worden und mit staatlichen Geldern aus dem kollektiven Säckel wurden sogar die Vinylböden der nochmal-
gerade-eben-so geretteten Kaufhaus-Dinos gewienert. Dann kam 2023.
Bumm! Autsch. Bauchlandung!

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Rückblick 2023, Schwerpunkt NEU

Rückblick 2023

Silvia Talmon

Geschäftsführerin | The Retail Experience GmbH

Das Jahr ist vorbei. Fast. Die letzten Tage und Stunden im Handel ziehen sich dahin wie Kaugummi. Oder, um bei der Überschrift zu bleiben, sind so geschmackvoll wie schaler Champagner. Was bleibt, ist die Erinnerung an das Prickeln des ersten Schluckes. Verdrängt wird der abgestandene Beigeschmack. 2023… Das Jahr hat uns mit seiner Fülle an Herausforderungen und Wendepunkten gezeigt, dass wir nur selten das bekommen, was wir erwarten. Oder gar was wir erhoffen. Der Anfang war verheißungsvoll, er schmeckte nach Aufbruch, nach Veränderung, nach Hoffnung. Alles wird besser…
Und jetzt? Keiner weiß so recht, was sich mit dem Rest im Glas anfangen lässt. Wegkippen oder runterkippen? Und dann?

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Einzelhandel benötigt bedeutsame Erlebnisse | Schwerpunkt Strategie

Der Einzelhandel benötigt bedeutsame Erlebnisse

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Wir sehen es schon seit Jahren: Kultur als Aktivator des
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und Einzelhandel ist ernsthaft unter Druck geraten.Zum besseren Verständnis sollten wir an den Anfang zurückgehen.

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