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April 2026 | Schwerpunkt tiefgreifender Wandel im Unternehmen

WIR WOLLEN ZUM MARS UND SCHEITERN AM WEG ZUR BUSHALTESTELLE

Unternehmen lieben große Worte: Transformation. Disruption. Purpose.
Strategiepapiere lesen sich wie Raumfahrtprogramme. LinkedIn ist voll davon.

Doch während wir vom Mars träumen, finden wir im Alltag nicht einmal den Weg zur Bushaltestelle.

Das Kernproblem ist selten die Vision.
Das Kernproblem ist operative Unreife.

Wir leben in einer VUCA-Welt – volatil, unsicher, komplex, ambivalent. Aber anstatt Komplexität beherrschbar zu machen, produzieren wir zusätzliche.

Transformation scheitert nicht an Ambition.
Sie scheitert an fehlenden Grundlagen.

These 1: Kein Wandel passiert, solange Nicht-Verändern weniger schmerzt als Verändern.

Organisationen verändern sich nicht, weil es sinnvoll ist.
Sie verändern sich, wenn es alternativlos wird.

Solange Umsätze „noch okay“ sind, Prozesse „irgendwie laufen“ und Märkte „nicht komplett wegbrechen“, bleibt Transformation ein rhetorisches Projekt.

Doch die eigentliche Gefahr liegt in der schleichenden Erosion:

  • sinkende Geschwindigkeit
  • steigende Komplexität
  • fragmentierte IT-Landschaften
  • unklare Verantwortlichkeiten

Die Frage ist nicht: „Wie innovativ wollen wir sein?“
Die Frage ist: „Wie lange können wir uns operative Ineffizienz noch leisten?“

Transformation beginnt dort, wo die Ehrlichkeit größer ist als die Bequemlichkeit.

These 2: Wir kreisen im Circle of Concern und ignorieren den Circle of Control.

In Meetings analysieren wir Märkte, Regulierung, geopolitische Spannungen, Generation Z und Fachkräftemangel.

Alles valide Themen.
Doch viele davon liegen außerhalb unseres direkten Einflusses.

Währenddessen bleiben grundlegende Hausaufgaben unbearbeitet:

  • Daten sind nicht konsistent strukturiert
  • Projekte sind nicht sauber geplant
  • Abhängigkeiten werden nicht transparent gemacht
  • Prioritäten wechseln quartalsweise
  • Programme sind nicht als Gesamtarchitektur gedacht

Wir reden über Komplexität, aber wir managen sie nicht.

VUCA ist keine Ausrede.
VUCA verlangt Systematik.

Komplexität wird nicht kleiner.
Sie wird nur beherrschbar, durch klare Strukturen, transparente Datenmodelle, stringentes Portfoliomanagement und disziplinierte Priorisierung.

Get the basics right.
Ohne belastbare Fundamente ist jede Transformation ein Kartenhaus.

These 3: Digitalität ist keine Strategie – sie ist Infrastruktur.

Digitalität wird noch immer wie ein Innovationsprojekt behandelt.
Dabei ist sie längst Grundversorgung, wie Wasser oder Strom.

Niemand würde ernsthaft fragen, ob Elektrizität strategisch relevant ist.
Doch viele Organisationen diskutieren noch immer, ob Daten wirklich ein Asset sind.

Wer Digitalität nicht als Infrastruktur versteht,

  • führt IT als Kostenstelle
  • behandelt Daten als Nebenprodukt
  • organisiert Digitalisierung in isolierten Projekten

und produziert damit systemische Ineffizienz.

Das eigentliche Risiko: Führungsebenen wissen oft nicht, was sie nicht wissen.
Technologische Unkenntnis führt zu strategischer Fehleinschätzung.

Digitalität ist kein Add-on.
Sie ist der Betriebsmodus moderner Organisationen.

Der blinde Fleck: Komplexität ist kein Schicksal

Das eigentliche Transformationsdefizit liegt in der mangelnden Fähigkeit,

  • Komplexität zu strukturieren
  • Datenpunkte zu konsolidieren
  • Projekte methodisch sauber aufzusetzen
  • Initiativen in ein priorisiertes Gesamtprogramm einzubetten

Ohne Programmarchitektur entsteht Aktionismus.
Ohne Priorisierung entsteht Überlastung.
Ohne Governance entsteht Chaos.

Transformation bedeutet nicht mehr Initiativen.
Transformation bedeutet bessere Orchestrierung.

Don’t talk. Deliver.

Call to Action

Wenn Sie es ernst meinen mit Transformation, beginnen Sie nicht mit der nächsten Vision.
Beginnen Sie mit den Grundlagen:

  1. Schaffen Sie Transparenz über Ihr gesamtes Projektportfolio.
  2. Reduzieren Sie parallele Initiativen radikal.
  3. Definieren Sie klare Prioritäten – get your ducks in a row.
  4. Investieren Sie in Datenarchitektur und Programmmanagement.
  5. Messen Sie Delivery – nicht Diskurs.

Der Mars ist optional.
Operative Exzellenz nicht.

Dafür braucht es ein Team, das „fit for purpose“ ist und das fällt nicht vom Himmel. Wie im Fitnessstudio bedarf es eines klaren Trainingsplans, Disziplin und Konsistenz.

Transformation ist kein Zukunftsversprechen.
Sie ist Disziplin im Hier und Jetzt.

Und sie beginnt an der Bushaltestelle und dann sollte das erste Ziel der Mond sein.
„Fly me to the Moon“

Unser heutiger Kolumnist
Carsten Horn

CEO | in Transition | Senior Advisor

Carsten Horn ist Serien-CEO im europäischen Handels- und Dienstleistungsumfeld, unter anderem bei Block, NORDSEE und CinemaxX sowie als CCO von C&A Europe. Zuvor war er in Top-Führungspositionen bei Tchibo, Blume 2000 und Max Bahr tätig. Sein Fokus liegt auf Transformation, Omnichannel-Strategien sowie der nachhaltigen Skalierung und Repositionierung von Unternehmen.
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