August 2026 | Schwerpunkt Personalbesetzung im Einzelhandel
DIE INDUSTRIE BAUT STELLEN AB – DER HANDEL SUCHT TROTZDEM WEITER HÄNDERINGEND PERSONAL
Volkswagen. ZF. Bosch. BASF. Thyssenkrupp. Seit Monaten dominieren Meldungen über Stellenabbau in der Industrie die Schlagzeilen. Zehntausende Arbeitsplätze stehen auf dem Prüfstand. Gleichzeitig wächst in vielen Handelsunternehmen die Hoffnung, dass sich der Arbeitsmarkt dadurch endlich entspannt.
Diese Hoffnung halte ich für einen Irrtum.
Denn die Probleme des Handels entstehen nicht durch die aktuelle Konjunktur. Sie sind strukturell.
Der Arbeitsmarkt hat sich dauerhaft verändert.
Noch vor rund zehn Jahren konnten Handelsunternehmen auswählen. Auf eine Stelle kamen fünf bis acht geeignete Bewerbungen.
Heute liegt dieser Wert bei gerade einmal 0,88 geeigneten Bewerbungen pro ausgeschriebene Stelle. Gleichzeitig sind im deutschen Einzelhandel rund 120.000 Stellen unbesetzt.
Diese Entwicklung lässt sich nicht dadurch lösen, dass in anderen Branchen Arbeitsplätze wegfallen.
Ein Entwicklungsingenieur wird nicht automatisch Filialleiter.
Ein Chemiker ersetzt keinen Fachverkäufer.
Und ein Maschinenbauer übernimmt nicht von heute auf morgen die Leitung einer Filiale mit 30 Mitarbeitenden.
Die Kompetenzen, die der Handel sucht, sind andere.
Das eigentliche Problem heißt Passivmarkt.
Viele Personalabteilungen fragen sich, warum ihre Stellenanzeigen kaum Resonanz erzeugen. Die Antwort ist einfach:
Weil klassische Stellenanzeigen heute nur noch rund 12 Prozent des Arbeitsmarktes erreichen. Die übrigen 88 Prozent der wechselbereiten Arbeitnehmer suchen gar nicht aktiv nach einem neuen Job. Sie müssen aktiv angesprochen werden.
Genau deshalb funktioniert Recruiting heute grundsätzlich anders als noch vor wenigen Jahren.
Recruiting ist heute Vertrieb.
Im Handel beobachten wir immer wieder denselben Denkfehler.
Unternehmen investieren mehr Geld in dieselben Maßnahmen.
Noch eine Stellenanzeige.
Noch ein Premium-Paket.
Nochmal vier Wochen Laufzeit.
Das Problem ist jedoch nicht die Sichtbarkeit der Anzeige. Das Problem ist, dass die richtigen Kandidaten sie nie sehen. Recruiting ist deshalb heute kein Verwaltungsprozess mehr.
Recruiting ist Vertrieb.
Wer gute Mitarbeiter gewinnen möchte, muss sie aktiv erreichen, individuell ansprechen und ihnen zeigen, warum gerade diese Position der nächste Karriereschritt sein sollte.
Geschwindigkeit entscheidet.
Ein zweiter Punkt wird häufig unterschätzt. Tempo.
Die besten Kandidaten bleiben heute oft weniger als zwei Wochen verfügbar. Wer nach einer Bewerbung erst nach fünf oder sieben Tagen reagiert, verliert häufig bereits den besten Bewerber.
Nicht die Größe eines Unternehmens entscheidet über den Erfolg.
Sondern die Geschwindigkeit der Prozesse.
Eine unbesetzte Filialleiterstelle kostet mehr, als viele glauben.
Dabei geht es nicht nur um Personal. Es geht um Umsatz.
Eine unbesetzte Filialleiterposition verursacht durchschnittliche Kosten von 863 Euro pro Tag.
Sinkende Beratungsqualität, höhere Belastung der Teams, steigende Fluktuation und letztlich verlorene Kunden.
Eine Vakanz ist deshalb weit mehr als eine unbesetzte Stelle.
Sie wird schnell zu einem wirtschaftlichen Problem.
Unser heutiger Kolumnist
Stefan Hamm
Gründer und CEO | MatchTrex GmbH
Stefan Hamm war bei Lidl Deutschland als Geschäftsführer für Recruiting und Personalentwicklung verantwortlich. Zuvor war er beim mittelständischen Hidden Champion Weber Maschinenbau Personalleiter und in verschiedenen HR-Funktionen bei Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland tätig.
Die MatchTrex GmbH hat sich auf die Besetzung von Vakanzen im Handel und Logistikumfeld spezialisiert und seit der Gründung im Jahr 2020 über 4.500 Führungskräfte und Mitarbeiter erfolgreich vermittelt.
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