September 2020 | 08

WAS IST IHR NÄCHSTER STRATEGISCHER ZUG?

Schwerpunkt Entscheidungen

Wie treffen Sie Entscheidungen? Haben Sie sich je diese Frage gestellt? Die letzten sechs Monate haben uns als Gesellschaft vor grundlegende, existenzielle, moralische und ethische Fragen gestellt und am Ende Entscheidungen gefordert. Von jedem Einzelnen, ob er eine Maske trägt. Von jeder Familie, ob sie die Großeltern isoliert. Von jedem Unternehmer, ob er recht- oder unrechtmäßig Fördergelder nimmt. Von jedem Geschäftsführer, ob er Mitarbeiter entlässt. Von jedem Aktionär, ob er auf Bonuszahlungen verzichtet. Von jedem Kleinkünstler, ob er seine Passion aufgibt. Von jeder Pflegekraft, ob sie sich den Gefahren aussetzt. Von jedem Politiker, ob er der Verantwortung gewachsen ist. Von jedem Dienstleister, ob er sich für Geld demütigen lässt. Von jedem Narzissten, ob er das Beste für sich rausholt.

Ich habe mich wieder erinnert, wann und wie ich gelernt habe, Entscheidungen zu treffen. Das war vor genau 20 Jahren in Russland. Ich gehörte zu einer Gruppe von zehn Kollegen, die Ingvar Kamprads persönlichen Traum realisieren durfte – das erste IKEA-Haus in Russland.

Ich war damals Mitte zwanzig, als ich das erste Mal Moskau sah. Warum ich mich für das Projekt entschied? Nennen Sie es einfach Idealismus. Unser Team war von dem Gedanken getrieben, als erstes westliches Unternehmen den russischen Markt zu verstehen. Im Gepäck unsere deutschen, schweizerischen und schwedischen Reisepässe, unsere demokratischen Grundwerte und kiloweise Tchibo Bohnenkaffee.

Ich habe Russland geliebt, vom ersten Tag an. Und obwohl die Standardregel für uns „Experts“ lautete, niemals den Standort zu wechseln oder in ein fremdes Fahrzeug zu steigen, war mir klar, ich wollte dieses Land außerhalb der Fünf-Sterne-Hotelmauern, der sicheren Deutschen Botschaft und dem altbekannten, blauen Wellblech kennen lernen. Den Zugang zu dieser Welt öffnete mir unser damaliger Administrationschef Peter Pärtma. Er lebte zu dieser Zeit als Einziger von uns in einer russischen Wohnung in einem Stadtteil Moskaus und sprach als Einziger die Landessprache.

Peter führte mich in die russische Welt ein, indem er mich eines Tages vor einer verwahrlosten Villa absetzte, mit dem Hinweis, er hole mich in exakt drei Stunden an exakt dem gleichen, gusseisernen Tor wieder ab. Da stand ich nun vor der alten Villa aus der Jahrhundertwende und traf wohl eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens: Ich trat ein. Knarrende Dielen, verblasste Spiegel, vergilbte Kronleuchter und etwa fünfzig russische Männer, die sich schweigend in Reihe gegenübersaßen. Es war eiskalt und roch nach nassen Filzmänteln, Kaminholz und alten Männern. Bis auf das Klacken der Schachuhren und der Spielfiguren auf den Holzbrettern war es still. Ich war Mitte zwanzig und die einzige Frau im Saal. Ich sprach kein einziges Wort Russisch, niemand im Raum sprach Englisch, nur ein paar Brocken Kriegsdeutsch bestehend aus „kämpf“, „lauf“ und „tot“.

Ich wollte Schach lernen. Man stellte einen Tisch in die Mitte des Saals und wies mir einen Platz zum Vorspiel zu. Ich kämpfte wie eine Löwin und war in zwei Minuten tot – und aufgenommen. Die einzigen drei Worte, die ich je von meinem russischen Gegenüber hörte, waren: „Ich, dich, trainiere“. Von da an setzte mich Peter Pärtma jeden Dienstag und Donnerstag vor der alten Villa ab. Und damit war ich in der russischen Kultur angekommen.

Wenn man Schach lernt, lernt man, Strategien und vor allem Entscheidungen zu treffen. Mein russischer Lehrvater war damals schon weit über 70 Jahre alt. Durch die Sprachbarriere blieb mir nichts anderes übrig als Züge zu wagen, ohne vorher um Rat zu fragen, und meine Erfahrungen durch Ausprobieren zu sammeln. Bei jedem Zug, den ich unüberlegt oder zu schnell tat, schlug mein russischer Schachmeister mir auf die Fingerspitzen. Wenn ich jedoch etwas gut machte, schwieg er. Wie im wahren Leben. Auf diese Weise lernte ich, die richtigen Entscheidungen zu treffen – durch Schmerz. Und ich begriff nach einer Weile, wie das Spiel des Lebens funktioniert. Zuerst beobachtet man das Feld, dann überlegt man sich seine Strategie und wägt taktisch ab, zu welchem Preis es Bauernopfer geben wird. Dann trifft man eine klare Entscheidung, im vollen Bewusstsein seiner Verantwortung als König. Denn das Spiel ist erst zu Ende, wenn der König fällt. Jedoch ist auch der König ohne sein Team nichts wert.

Mein russischer Lehrer wird heute längst verstorben sein. Und ich bin nicht mehr Mitte zwanzig, sondern Mitte vierzig. Nichtsdestotrotz musste ich in den letzten sechs Monaten oft an meinen Winter in Moskau denken.

Entscheidungen treffen ist nicht leicht. Und auch, wenn es manchmal richtig schmerzt, kommt es immer vor allem auf eines an: die richtige Strategie. Ob Sie Ihre Unternehmung reduzieren, Fördergelder recht- oder unrechtmäßig annehmen und Mitarbeiter entlassen oder ob Sie investieren, in Infrastrukturen, neue Konzepte, Marketing und Vertriebskanäle, wird niemand für Sie entscheiden.

Aber eines kann ich Ihnen mitgeben: Fragen Sie sich immer, welche Strategie hinter Ihrer Entscheidung steht und welches Team Sie für Ihre Taktik brauchen.

Nastrovje!

 

Wie ist sieht Ihr nächster strategischer Zug aus?

Schreiben Sie mir, ich will es wirklich wissen!

 

 

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